Spagat zwischen pulsierendem Leben und aufopfernder Pflege

Fünf Jahre nach der Eröffnung
03.12.2018

  • Ernst Schönhaar in den Stiftsterrassen. Das Gebäude zeichnet sich auch durch seine moderne Architektur aus. Text & Bild: Marketingagentur Tenambergen

Spagat zwischen pulsierendem Leben und aufopfernder Pflege

 

Fünf Jahre nach der Eröffnung des „Betreuten Wohnens“ in den Stiftsterrassen An der Schnelle 8 in Kaufbeuren blickt Kuratoriumsvorsitzender Ernst Schönhaar im Interview auf die Entstehung des Neubaus zurück. Auch fünf Jahre nachdem die ersten Bewohner in dem Neubau gezogen sind, schwingt Stolz in der Stimme des Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung Espachstift mit, wenn er von den ersten Schritten bis hin zur Fertigstellung des Neubaus spricht.

 

Wie entstand die Idee für das Projekt Stiftsterrassen?

Als sich 2006 die Möglichkeit auftat, das ehemalige Lidl-Grundstück auf der Südseite des Espachstifts zu erwerben, war zunächst noch unklar, was genau dort passieren wird. Aber ich wusste, dass es großen Nutzen haben wird. Bald schon reifte jedoch die Idee: Alle Angebote für Senioren unter einem Dach zu vereinen. Durch das schon bestehende Betreute Wohnangebot An der Schnelle 14 (15 Wohnungen) war bekannt, dass es in diesem Bereich einen großen Bedarf gibt. Und auch, dass die neuen Wohnungen hohen Standards genügen sollen, stand schnell fest. Die Menschen tun sich leichter, aus der eigenen Wohnung auszuziehen, wenn die neue Wohnung schön, modern und hochwertig ist.

 

Wie kam die Finanzierung zustande?

Das Schicksal hat es gut mit uns gemeint. Durch ein überraschendes Erbe wurde die Verwirklichung der Pläne dann auch bald möglich.

 

Wann begann der Bau des neuen Gebäudes?

Mit den Mitgliedern des Kuratoriums, Pfarrerin Britta Gamradt und dem damaligen Geschäftsführer des Espachstifts, Klaus Rockenmaier, wurde das Vorhaben 2011 in die Tat umgesetzt. Die Bauphase war ein ziemlicher Kraftakt, auch für mich, denn ich war in dieser Zeit beruflich als Schulleiter in Bad Wörishofen tätig. Umso größer war die Freude über die Fertigstellung der Stiftsterrassen vor fünf Jahren. Einziger Wermutstropfen waren Baumängel, die noch beseitigt werden mussten, als schon Mieter eingezogen waren.

 

Gibt es in den Stiftsterrassen nur Wohnungen?

44 Wohneinheiten sind in den Stiftsterrassen beheimatet. Einen Mehrwert schaffen der Gemeinschaftsraum inklusive Dachterrasse mit Blick über die Altstadt, ein Multifunktionsraum für Gymnastik und Vorträge sowie das Seniorenkino, das in den Stiftsterrassen eine Heimat gefunden hat.

 

Welches Konzept steht hinter dem neuen Betreuten Wohnen?

Unser Ziel war und ist es, im Espachstift Angebote für Senioren unter einem Dach zu vereinen. Stand im Gründungsjahr 1958 noch ausschließlich die stationäre Pflege im  Mittelpunkt, gibt es heute viele Ergänzungen, wie eigenständiger Wohnraum mit der Möglichkeit, auf Ambulante Pflege zurückzugreifen oder abwechslungsreiche Gemeinschafts- und Freizeitangebote. All dies haben wir im neuen Gebäude untergebracht und die Bewohner können dies je nach persönlichem Bedarf in Anspruch nehmen. Und wenn man dann mal mehr Hilfe braucht oder gepflegt werden muss, dann ist das kein großer Umzug mehr. Quasi nur einen Gang weiter – das gibt den Menschen Sicherheit. Abgerundet wird das Angebot von der Tagespflege, die das Rote Kreuz in Räumen der Stiftsterrassen betreibt. Eine sehr gute Partnerschaft, für die ich sehr dankbar bin.

 

Was unterscheidet die Stiftsterrassen von anderen Anbietern?

Auch wenn der ursprüngliche Plan, die Backstube, die zuvor auf dem Gelände ihre Brötchen verkaufte, in das Gebäude miteinzubeziehen, nicht aufging, sollte ein gastronomischer Bereich Teil der Stiftsterrassen werden. Wir wollten das Haus für die Allgemeinheit öffnen und gleichzeitig den Bewohnern den Komfort bieten, trockenen Fußes eine Gastronomie zu erreichen. Dieser Plan ist aufgegangen. Mittlerweile wird das Café "Stiftsterrassen“ nicht nur von Menschen jeden Alters besucht, auch kulturelle Veranstaltungen in den Räumen der Gastronomie sorgen für zusätzlichen Mehrwert. Eine wirklich tolle Situation. 

 

Wie kamen Sie auf den Namen?

Dass der Neubau den Namen „Stiftsterrassen“ trägt, ist nicht nur darauf zurückzuführen, dass es sich beim Espachstift um eine evangelische Stiftung handelt. Der Name ‚Stiftsterrassen‘ ist auch auf die schiefen Säulen zurückzuführen, die etwas wie Stifte aussehen und gewissermaßen das Haus halten.

 

Gibt es Pläne für die Zukunft?

Für die nächsten Jahre sehe ich die Stiftsterrassen als Teil des Seniorenzentrums Espachstift gut aufgestellt. Aktuell liegt der Fokus auf der Modernisierung der Bestandsgebäude der stationären Pflege. Im Jahr 2019 beginnen wir mit der Umsetzung unseres neuesten Projektes, dem Bau der Kindertagesstätte im Nordflügel. Es soll ein attraktives Angebot für unsere Mitarbeiter werden, aber auch ein Gewinn für unsere Senioren. Baulich wird die Kinderkrippe natürlich klar vom Seniorentrakt getrennt sein. Doch mit Sicherheit werden sich die Bewohner am Anblick spielender Kinder im Garten erfreuen können.

 

Was denken Sie heute, wenn Sie das Gebäude sehen?

Großzügige Fenster, moderne Holzelemente und verspielte Säulen – das solide und qualitativ hochwertige Gebäude ist ein Hingucker. Es tut dem gesamten Seniorenzentrum Espachstift sehr gut, dass wir diese Entwicklung genommen haben. Auch die gesamte evangelische Gemeinde ist stolz auf das tolle Seniorenheim. Ich finde, wir haben in gelungener Architektur den Spagat zwischen dem pulsierenden Leben der Innenstadt und der aufopfernden Pflege für die Ältesten in der Gesellschaft geschaffen.